Behindertenpastoral im Bistum Aachen
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Meditations-Rad Bruder Klaus

Meditations-Rad Bruder Klaus

Vollbild Meditations-Rad Bruder KlausGalerie Julia und Karina Herren Greif-Braun-Müller Beisammensein am Ende Ausklang zum Schluss

 
 

 

Die Mitte fühlt sich leicht an

Besinnungstag für Menschen mit und ohne Sehbehinderung

Der Besinnungstag in Düren läßt die TeilnehmerInnen ihr Ganzheit spüren und den Tiefengrund ihres Glaubens neu ausrichten auf den liebenden Gott, der in jedem Menschen wohnt.

22 Personen mit und ohne Sehbehinderung trafen sich am 1. Dezember 2012 im Anna Schöller Haus in Düren. Sie kamen aus Düren, Eschweiler, Nideggen, Krefeld und Mönchengladbach. Mit gemeinsamer Körperarbeit und Rollenspielen, mit Geschichten der Bibel und der Literatur, mit Singen und Innehalten tasten sich die TeilnehmerInnen an das Thema „Die Mitte fühlt sich leicht an“ ran.

(1) Ein Dorfrichter fällt sein Gerichtsurteil mit Hilfe eines Kreidekreises. Zwei Frauen dürfen einen Jungen, den beide als ihren Sohn beanspruchen, aus dem Kreis ziehen. Die Frau, die den Jungen von Herzen liebt, und ihn nicht als Besitzstück an sich reißen will, wird als die wahre Mutter anerkannt (Bertold Brecht, Der Kaukasische Kreidekreis).

(2) Die Pharisäer und Schriftgelehrten konfrontieren Jesus mit einer Ehebrecherin, um ihn öffentlich bloßzustellen. Jesus aber beschämt seine Gegner, indem er ihre Doppelmoral aufdeckt: Der Mensch will andere richten, und von seinen eigenen Sünden ablenken. Gott aber vergibt und ermöglicht einen Neuanfang (Joh. 8,1-11).

(3) Ein Mädchen rettet Mensch, Tier und Natur vor dem Verdursten und Austrocknen. Der Krug mit Wasser symbolisiert den Menschen, der seine Nächstenliebe und Selbstliebe in Balance hält: Dann berühren sich Himmel und Erde (Leo Tolstoj, Der große Bär).

(4) Ein Rad mit 6 Speichen in einem viereckigen Rahmen steht für den Menschen, der in der Welt lebt, deren Ecken und Kanten er tagtäglich am eigenen Leib spürt. Wenn dieser Mensch nach innen schaut, spürt er seine Mitte, die ihm Halt, Orientierung und Leichtigkeit vermittelt. Der Christ ist dort mit Jesus Christus in Kontakt (Bruder Klaus von der Flüe).

(5) Das Innehalten in der Kapelle vertieft die Berührungspunkte zu Gott, der in uns wohnt.

Ergebnis: „Die Mitte fühlt sich leicht an.“

Es geht um aktuelles Erleben, um das Wahrnehmen der Verbundenheit mit sich, mit anderen, mit der Welt, mit Gott. Wir entscheiden uns für das Suchen der Mitte und das Lernen im Leben und Glauben, allein und miteinander, für einen Prozess, der uns in Momente des Innehaltens führt und Augenblicke vermittelt, in denen wir uns ganz fühlen.

Wie ein Stein ins Wasser geworfen, Kreise zieht, so bewegen wir Menschen uns mit vier Schritten in Kreisbewegungen von außen nach innen:

Kreis 4: den äußeren Lärm wahrnehmen, verabschieden, nicht sprechen,

Kreis 3: den inneren Lärm wahrnehmen, loslassen, nicht denken,

Kreis 2: sich nicht mehr selbst beobachten, sich selbst vergessen, selbst-los werden,

Kreis 1: offen sein für alles, sich mit allem und allen verbunden fühlen, im hier und jetzt sein.

Angekommen in dieser inneren Mitte, spüren wir die Leichtigkeit, die Freude, das Staunen. Allerdings können wir diese Gegenwart einer Mitte, die sich leicht anfühlt, nicht machen. Sie wird uns geschenkt.

Das Bild des Kuchens kann uns hier verdeutlichen, worum es geht: Normalerweise nehmen wir uns wahr als ein Detail des Ganzen, als ein Stück des Kuchens. Wenn sich unsere Mitte leicht anfühlt, erleben wir uns mit dem Ganzen verbunden, wie ein Tropfen Wasser mit dem Ozean.


Von Herbert Greif

Veröffentlicht am 05.12.2012

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