Behindertenpastoral im Bistum Aachen
http://behindertenpastoral.kibac.de/nachrichten?mode=detail&action=details&siteid=1030618&type=news&nodeid=a0b2d2bd-c675-43b7-ab44-fd5454686def
 
 
Künstler kommen zu Wort

Diakon Peter Derichs ließ im Gottesdienst auch einige der anwesenden Künstler zu Wort kommen.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2014

Was Menschen wirklich bewegt

Ausstellung „Zeigt her eure Schuh“ zeigt in Heinsberg Kunstwerke behinderter junger Künstler

Am Anfang stand ein Aufruf des Bistums Aachen an die Gläubigen, ihre ausgedienten Schuhe nicht wegzuwerfen. Am Ende standen im Selfkantdom in Heinsberg viele Gottesdienstbesucher angerührt vor den Kunstwerken, die Menschen mit Behinderung und ihre Betreuer mit diesen Schuhen erarbeitet hatten.

Zeigt her eure Schuh“: Mit diesem Motto hatte die Pastoral „MIT Menschen mit Behinderung“ im Bistum Aachen den Impuls für diese Kunstaktion gegeben. Nach einer sehr erfolgreichen Ausstellung im Rahmen der Heiligtumsfahrt in St. Jakob Aachen waren die Kunstwerke nun in einem besonderen Gottesdienst in der Propsteikirche St. Gangolf Heinsberg zu sehen. 

Im Kreis Heinsberg hatten 19 Einzelkünstler beziehungsweise Gruppen mit Unterstützung ihrer Begleiter in Einrichtungen der Lebenshilfe und bei der Rurtalschule Oberbruch Kunstwerke aus Schuhen geschaffen. Behindertenseelsorger und Propst Markus Bruns feierten den Gottesdienst mit zahlreichen Gläubigen, die die Kirche bis auf den letzten Platz füllten. 

Diakon Peter Derichs freute sich sehr über die tolle Resonanz dieser Kunstaktion und dankte allen, die das Projekt durch aktive Mitwirkung und auf vielfältige andere Weise unterstützt hatten. „Die Kunstwerke zeigen uns, was Menschen mit Behinderung wirklich bewegt. Diese Kunstwerke sagen mehr als Worte“, erklärte Derichs.

Bei ihrer Betrachtung erfahre man viel von den ganz persönlichen Fragen, Wünschen und Sehnsüchten der Künstler. Hast du noch ein Paar alte getragene Schuhe im Schrank stehen – Hausschuhe, Wanderschuhe, orthopädische Schuhe, Stiefel, Sportschuhe, Pumps, Flip Flops, Sandalen oder nur Socken? Stell dir vor, diese Schuhe oder Socken würden anfangen zu erzählen: Wo und mit wem du unterwegs warst. Sie würden Gedanken wecken an alte und neue Wege, an Wünsche für die Zukunft. Würden die Schuhe von deinem Lebens- und Glaubensweg berichten? 

 

Eine Bibelstelle macht Mut auf dem Lebensweg 

Auf unterschiedlichste Art hatten die Künstler auf diese Fragestellungen in ihren Werken reagiert. Mit den Worten „Mich fasziniert, dass ein Nagel alleine pickt, mehrere Nägel aber nicht mehr spitz sind“, beschrieb Gerhard Koch aus Erkelenz eine Nacht, die er mal auf einem Nagelbrett bei einer indischen Familie verbracht hatte. Er habe sich am Morgen sehr erholt gefühlt. In seinem Beitrag zur Ausstellung stellte er dieses Erlebnis mit Hilfe einer Puppe dar, die auf einem durchnagelten Turnschuh ruht. 

Stefan Burg aus Heinsberg ist Mitarbeiter der Lebenshilfe. Er hat eine Prothese und einen Schuh zu einem Kunstwerk verarbeitet. Ihn beschäftigte der Gedanke, dass die Medizin heute so weit fortgeschritten ist, dass er mit dem Behinderungsbild, das ihn als Kind in den Rollstuhl zwang, heute sicherlich würde gehen lernen können. „Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde“, sagte Gott in der Bibel zu Abraham. Und damit machte er ihm Mut für sein weiteres Leben. Er sollte sich auf den Weg machen. 

In den letzten Monaten hatten sich mehr als 140 Künstlerinnen und Künstler im Bistum Aachen auf den Weg gemacht. Die Zeugnisse ihrer Wanderschaft auf dem Pfad der Kunst hinterließen starken Eindruck.


Von Dettmar Fischer

Veröffentlicht am 08.10.2014

Test